Das Humane Papillomavirus (HPV) Virus ist weltweit verbreitet. Es wird durch direkten Haut- oder Schleimhautkontakt, insbesondere beim Geschlechtsverkehr übertragen. Die Ansteckung bleibt in der Regel unbemerkt.
Es sind heute mehr als 150 Untertypen des HP-Virus bekannt, die mit Ziffern benannt werden. Sie unterscheiden sich in der Ansteckungsfähigkeit und den Krankheitsbildern die durch sie verursacht werden.
Das Virus führt zum Befall von Haut und Schleimhäuten, die durch die Infektion ein unkontrolliertes Wachstum entwickeln können. Wenn das Virus nicht von der körpereigenen Abwehr unschädlich gemacht wird können je nach Virustyp gutartige Tumore wie zum Beispiel Genitalwarzen aber auch Vorstadien bösartiger Erkrankungen entstehen. Als deren bedeutsamste ist hier die Entwicklung des Gebärmutterhalskrebses zu nennen, der meist erst viele Jahre nach der Ansteckung entsteht. Man vermutet darüber hinaus eine Beteiligung des Virus an der Entstehung von Krebserkrankungen der Scheide, des Penis, der Analregion und des Mund-Rachen-Raumes.
Die Übertragung des HPV auf den Gebärmutterhals erfolgt während des sexuellen Kontakts mit einer infizierten Person.
Schätzungen zufolge haben circa 80 % der Bevölkerung das Risiko, im Leben eine HPV-Infektion durch zu machen. Die hohe Ansteckungsfähigkeit und weite Verbreitung des Virus führen dazu, dass bereits vor dem 30. Lebensjahr eine sehr hohe Durchseuchung in der Bevölkerung vorliegt.
Jährlich werden in Deutschland ca. 6.500 Neuerkrankungen an Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert; ca. 1.600 Frauen sterben pro Jahr an dieser Krankheit. Europaweit ist der Gebärmutterhalskrebs nach Brustkrebs die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei jungen Frauen zwischen 15 und 44 Jahren.
Die Mehrzahl der Gebärmutterhalskrebserkrankungen (ca. 70 %) wird durch HP-Viren und hier meist durch die Erregertypen 16 und 18 hervorgerufen. Insgesamt sind derzeit 15 Typen des Erregers bekannt, die bei einer Infizierung des Menschen ein hohes Risiko für die Entwicklung eines bösartigen Tumors mit sich bringen. Dies ist der Grund dafür, dass neben der HPV-Impfung die Krebsvorsorgeuntersuchung bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt weiterhin bedeutsam ist. Erbmaterial der Erregertypen 16 und 18 kann bei durchschnittlich 50 % der höhergradigen Krebsvorstufen und in 70 % der Krebstumore nachgewiesen werden.
Ca. 10 % der HPV-Infektionen verlaufen über 12- 24 Monate ohne auszuheilen, also chronisch. Chronische HPV-Infektionen bedeuten ein sehr großes Risiko für die Entstehung von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses.
Gebärmutterhalskrebs wird abhängig vom Krankheitsstadium, in dem er entdeckt wird, behandelt. Zum Einsatz kommen chirurgische Eingriffe, Strahlenbehandlung und / oder Chemotherapie. Die Behandlung in einem frühen Stadium führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Heilung. Alle Frauen ab dem Alter von 20 Jahren haben daher in Deutschland im Rahmen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms Anspruch auf eine jährliche gynäkologische Krebsfrüherkennungsuntersuchung. Dabei untersucht der Gynäkologe äußere und innere Geschlechtsorgane und führt Zellabstrichuntersuchungen (Zytologie, Pap-Test) durch. Bei korrekter Durchführung des Tests und regelmäßiger Inanspruchnahme der Untersuchung können 80 bis 90 Prozent der auffälligen Gewebeveränderungen frühzeitig erkannt und effektiv behandelt werden.
Die dreimalige Impfung bisher noch nicht infizierter Frauen gegen HP-Viren mit einem der Impfstoffe bietet nach ersten Studienergebnissen einen 97-100 %igen Schutz vor der Entwicklung von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses mit den Erregertypen 16 und 18. Bei einem anderen Impfstoff wurde ein 93 %iger Schutz erreicht. Damit wären bis zu 70 % aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen zu verhindern.
Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hat die Impfung für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren empfohlen. Sie sollte vor den ersten sexuellen Kontakten abgeschlossen sein, da nur dann ein sicherer Schutz vor einer Infektion möglich ist. Die Impfung wird für Schwangere nicht empfohlen. Über eine Impfung in späteren Lebensjahren liegen bisher keine ausreichenden Erfahrungen vor. Entsprechende Fragen sollten mit dem behandelnden Arzt, bzw. der behandelnden Ärztin sorgfältigen erörtert werden. Zum Aufbau eines umfassenden Impfschutzes ist eine dreimalige Impfung erforderlich.
Somit ist die HPV-Impfung nach jetzigem Kenntnisstand eine wesentliche Errungenschaft zur Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs und wird als erste echte Impfung gegen Krebs angesehen.
Die Bedeutung der Krebsfrüherkennungsuntersuchung auch bei geimpften Frauen bleibt dennoch unverändert hoch, um auch weiterhin frühzeitig Behandlungsmaßnahmen einleiten zu können, wenn der Krebs, wie in mindestens 30 % der Fälle zu erwarten, durch eine andere Ursache als HPV 16 oder 18 verursacht ist.
Zwei Todesfälle, jeweils einer in Deutschland und in Österreich, die in zeitlicher Nähe zu einer HPV-Impfung auftraten, haben die Frage aufgeworfen, ob hier ein ursächlicher Zusammenhang zur Impfung bestehen könnte.
Das Paul-Ehrlich-Institut hat diese Fälle umfassend untersucht. Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass die beiden Todesfälle durch die HPV-Impfung ausgelöst wurden. Die Todesursachen standen in beiden Fällen nicht mit der HPV-Impfung in ursächlichem Zusammenhang.
Die HPV-Impfung kann daher weiterhin gemäß den Vorgaben der STIKO empfohlen werden. Gegenindikationen oder Anwendungsbeschränkungen nach Angaben der Hersteller sind grundsätzlich zu berücksichtigen.
Nach bisherigen Kenntnissen hält die Schutzwirkung der Impfung für mindestens 5, möglicherweise 10 Jahre an. Sobald hierzu neue Erkenntnisse vorliegen, werden wir sie hier veröffentlichen.
Die Infektion mit HPV 16 und 18 führt bei Männern in der Regel zu keiner ernsthaften Erkrankung. Männer treten allerdings als Überträger des Virus auf Frauen auf. Bisher gibt es jedoch keine ausreichenden Erkenntnisse, ob die Impfung auch bei Männern wirksam ist bzw. zu einer Senkung der Übertragungsrate des Virus auf Frauen führen würde. Auch hier werden in absehbarer Zeit weitere Studienergebnisse erwartet.
Näheres zu der Bewertung der STIKO erfahren Sie hier.
Kondylome (Genital- oder Feigwarzen)
Einer der HPV Impfstoffe beinhaltet darüber hinaus einen Schutz vor den Virustypen 6 und 11, die die wichtigsten Erreger von Genitalwarzen sind.
Genitalwarzen sind die häufigsten gutartigen Tumore im Bereich der äußeren Geschlechtsteile (Genitalregion) und der Analregion und können sowohl bei Männern als auch bei Frauen auftreten.