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Dienstgebäude des Landesamtes Mainz
Startseite > „Lena lebt bei Oma, Paul bleibt nur sechs Wochen - Verwandten- und Bereitschaftspflege“
05.06.2012 | Landesjugendamt

„Lena lebt bei Oma, Paul bleibt nur sechs Wochen - Verwandten- und Bereitschaftspflege“

Über 80 Fachkräfte der Pflegekinderdienste aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen kamen zur jährlichen Tagung der Pflegekinderdienste am 21./22.5.2012 in Neustadt an der Weinstraße zusammen. Iris Egger-Otholt, Leiterin des Referats 33, begrüßte die Teilnehmer und gab einen Ausblick auf die Vorträge zum Thema Verwandten- und Bereitschaftspflege, die auf zwei Tage verteilt zu erwarten waren.   Zu Beginn sprach Diana Eschelbach, Juristin beim Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF), über den rechtlichen Rahmen der Verwandten- und Bereitschaftspflege. Bereits während des Vortrages waren Zwischenfragen erwünscht und die Teilnehmer der Tagung machten von diesem Angebot regen Gebrauch. Sie frischten ihr Grundwissen auf und erwarben neue Erkenntnisse über die juristischen Besonderheiten.   Nach diesen grundlegenden Einführungen übernahm Frau Dr. Riet Portengen aus den Niederlanden das Wort und lenkte die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf unser Nachbarland, welches in Bezug auf die Verwandtenpflege seit dem Jahr 2006 einen großen Systemwechsel erfahren hat.
Frau spricht am Rednerpult

Iris Egger-Otholt

Mann spricht am Rednerpult

Prof. Dr. Günther Opp

Dr. Portengen erläuterte unter dem Titel „Familien und soziale Netzwerke- Experten abseits?!“ die Herangehensweise der niederländischen Fachkräfte an die Vermittlung eines Kindes in die Verwandtenpflege. Der Schwerpunkt liegt hier auf dem „sozialen Kapital“ im Familiensystem und im Umfeld. Um die bestmögliche Lösung für die betroffene Familie und das Kind/den Jugendlichen zu finden, werden Vertrauenspersonen (wie z. B. Sporttrainer, Lehrer, Mutter eines Freundes) mit der Familie und der professionellen Fachkraft in den Fall eingebunden. Durch eine möglichst differenzierte Betrachtung der Situation und unter Berücksichtigung der verschiedenen Einschätzungen der Beteiligten wird so ein dem Kind/dem Jugendlichen möglichst naher Aufenthaltsort bestimmt. Eine Unterbringung wird hier als zeitweilige Unterstützung der Herkunftsfamilie gesehen, welche möglichst familiennah erfolgen sollte. Dr. Portengen wusste die Teilnehmer durch ihre offene Art und die abwechslungsreiche Vortragsweise in den Vortrag einzubinden.Den Abschluss des ersten Tages bildete eine durch Beate Fischer-Glembek moderierte Gruppenarbeit, die die Teilnehmer aus der Rolle der Fachkraft in die Rollen der unterschiedlichen Beteiligten eines Verwandtenpflegeverhältnisses schlüpfen ließ.

Der zweite Tag wurde durch eine Vorstellung eines „best practice“ Beispiels des Jugendamtes Nürnberg und eines dort ansässigen freien Trägers der Jugendhilfe eröffnet. Anschaulich stellten die Mitarbeiterinnen ihre Herangehensweise bei der Unterbringung innerhalb eines Verwandtenpflegeverhältnisse vor und erreichten so schnell einen lebhaften Austausch mit den anwesenden Fachkräften.

Der zweite Teil des Vormittages stand unter der Rubrik „Neues aus dem Landesjugendamt“. Iris Egger-Otholt gab den Teilnehmenden einen beispielhaften Überblick über die Themen, mit denen sich das Landesjugendamt beschäftigt. Hierzu gehörte neben Fragen zu Vormundschaften, den Neuerungen durch das Bundeskinderschutzgesetz und ihren Auswirkungen auf die Pflegekinderdienste, auch die Frage nach Unterscheidung zwischen Unterbringungen nach § 33 oder § 34 SGB VIII. Mit großem Interesse folgten die Teilnehmer der abschließenden Vorstellung von interessanten und arbeitsrelevanten aktuellen Gerichtsurteilen.

Prof. Dr. Günther Opp von der Universität Halle-Wittenberg referierte auf fachkundige und erfrischende Art am Nachmittag zum Thema „Kann man Resilienz fördern? Die Praxis Positiver Peerkultur“. Mit viel Humor und praktischen Beispielen führte Prof. Dr. Opp die Teilnehmer an die Methode heran. Abwechslungsreich zeigte er auf, wie viel Resilienz Kinder und Jugendliche entwickeln und nutzen können, wenn ihnen der Freiraum dazu gegeben wird. Auch hier wurden die Betroffenen als Experten für ihr eigenes Problem wahrgenommen. Anhand von Gesprächsrunden, in denen jegliche Anliegen thematisiert und von der Gruppe selbst gelöst werden konnten, erfuhren die Kinder und Jugendlichen wachsendes Selbstvertrauen. Um eine Nachhaltigkeit zu gewährleisten, wurden die Ergebnisse der Gruppen protokolliert und nach einer Woche überprüft. Die anwesenden Fachkräfte zeigten großes Interesse an dieser Methode.

Die abschließenden Worte zu dieser gelungenen Tagung sprach Birgit Zeller, Leiterin des Landesjugendamtes. Sie spannte den Bogen von den Schlagzeilen, die Einzelfälle der Pflegekinderhilfe in der Presse machten, hin zu dem nutzbaren Fokus der Öffentlichkeit, der daraus entstanden ist.

 

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