
Dr. Portengen erläuterte unter dem Titel „Familien und soziale Netzwerke- Experten abseits?!“ die Herangehensweise der niederländischen Fachkräfte an die Vermittlung eines Kindes in die Verwandtenpflege. Der Schwerpunkt liegt hier auf dem „sozialen Kapital“ im Familiensystem und im Umfeld. Um die bestmögliche Lösung für die betroffene Familie und das Kind/den Jugendlichen zu finden, werden Vertrauenspersonen (wie z. B. Sporttrainer, Lehrer, Mutter eines Freundes) mit der Familie und der professionellen Fachkraft in den Fall eingebunden. Durch eine möglichst differenzierte Betrachtung der Situation und unter Berücksichtigung der verschiedenen Einschätzungen der Beteiligten wird so ein dem Kind/dem Jugendlichen möglichst naher Aufenthaltsort bestimmt. Eine Unterbringung wird hier als zeitweilige Unterstützung der Herkunftsfamilie gesehen, welche möglichst familiennah erfolgen sollte. Dr. Portengen wusste die Teilnehmer durch ihre offene Art und die abwechslungsreiche Vortragsweise in den Vortrag einzubinden.Den Abschluss des ersten Tages bildete eine durch Beate Fischer-Glembek moderierte Gruppenarbeit, die die Teilnehmer aus der Rolle der Fachkraft in die Rollen der unterschiedlichen Beteiligten eines Verwandtenpflegeverhältnisses schlüpfen ließ.
Der zweite Tag wurde durch eine Vorstellung eines „best practice“ Beispiels des Jugendamtes Nürnberg und eines dort ansässigen freien Trägers der Jugendhilfe eröffnet. Anschaulich stellten die Mitarbeiterinnen ihre Herangehensweise bei der Unterbringung innerhalb eines Verwandtenpflegeverhältnisse vor und erreichten so schnell einen lebhaften Austausch mit den anwesenden Fachkräften.
Der zweite Teil des Vormittages stand unter der Rubrik „Neues aus dem Landesjugendamt“. Iris Egger-Otholt gab den Teilnehmenden einen beispielhaften Überblick über die Themen, mit denen sich das Landesjugendamt beschäftigt. Hierzu gehörte neben Fragen zu Vormundschaften, den Neuerungen durch das Bundeskinderschutzgesetz und ihren Auswirkungen auf die Pflegekinderdienste, auch die Frage nach Unterscheidung zwischen Unterbringungen nach § 33 oder § 34 SGB VIII. Mit großem Interesse folgten die Teilnehmer der abschließenden Vorstellung von interessanten und arbeitsrelevanten aktuellen Gerichtsurteilen.
Prof. Dr. Günther Opp von der Universität Halle-Wittenberg referierte auf fachkundige und erfrischende Art am Nachmittag zum Thema „Kann man Resilienz fördern? Die Praxis Positiver Peerkultur“. Mit viel Humor und praktischen Beispielen führte Prof. Dr. Opp die Teilnehmer an die Methode heran. Abwechslungsreich zeigte er auf, wie viel Resilienz Kinder und Jugendliche entwickeln und nutzen können, wenn ihnen der Freiraum dazu gegeben wird. Auch hier wurden die Betroffenen als Experten für ihr eigenes Problem wahrgenommen. Anhand von Gesprächsrunden, in denen jegliche Anliegen thematisiert und von der Gruppe selbst gelöst werden konnten, erfuhren die Kinder und Jugendlichen wachsendes Selbstvertrauen. Um eine Nachhaltigkeit zu gewährleisten, wurden die Ergebnisse der Gruppen protokolliert und nach einer Woche überprüft. Die anwesenden Fachkräfte zeigten großes Interesse an dieser Methode.
Die abschließenden Worte zu dieser gelungenen Tagung sprach Birgit Zeller, Leiterin des Landesjugendamtes. Sie spannte den Bogen von den Schlagzeilen, die Einzelfälle der Pflegekinderhilfe in der Presse machten, hin zu dem nutzbaren Fokus der Öffentlichkeit, der daraus entstanden ist.


