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Dienstgebäude des Landesamtes Mainz
Startseite > Fachtagung „Jugendgerichtshilfe“
30.01.2012 | Landesjugendamt

Fachtagung „Jugendgerichtshilfe“

„Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass“ – Wie kann Beratung unmotivierte junge Menschen zu Veränderung bewegen?   Der Einladung des Landesjugendamts zur Fachtagung der Jugendgerichtshilfe folgten rund 60 Kolleginnen und Kollegen aus Jugendämtern, Polizei, und LKA am 23.1.2012 in die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.
Sitzende Teilnehmer in einem großen Saal

Teilnehmerkreis der Fachtagung

Zwei Damen am Stand

Lisa Beilstein und Aline Kroehle

Denn es war ein Thema, das nicht nur Fachkräften bekannt ist, die für die Mitwirkung der Jugendhilfe im Strafverfahren zuständig sind. Auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus dem Allgemeinen Sozialen Dienst und Kooperationspartner/innen bei Polizei und Justiz kennen das Phänomen aus der alltäglichen Praxis: Klientinnen und Klienten sind nicht freiwillig da. Auch wenn sie den Weg gezwungenermaßen noch finden, zeigen sie ihrem Gegenüber deutlich, was sie von dem Ganzen halten.

Wie aber kann eine Beratung dennoch gelingen? Und ist es überhaupt ethisch vertretbar zu beraten, auch wenn der Klient das gar nicht will? Nach der Begrüßung durch Präsident Werner Keggenhoff berichtete Dipl.- Psych./Dipl.-Päd. Dr. Marie-Luise Conen in ihrem Vortrag von Forschungsergebnissen und Erfahrungen ihrer jahrzehntelangen Arbeit mit Klienten.

Gerade Menschen, die im Laufe ihrer Entwicklung die Erfahrung gemacht haben, dass sie bei Veränderungen eher vom Regen in die Traufe kommen, die mit dem Begriff „Reform“ eine neue Schikane statt einer neuen Hoffnung verbinden, diesen Menschen kann man mit Optimismus und Experimentierfreude nicht kommen. Denn Klient/innen haben meist gute Gründe alles zu belassen, wie es ist: Veränderungsforderungen können als bedrohlich empfunden werden, beispielsweise wenn sie an Loyalitäten gegenüber den Eltern rütteln. Und so schilderte Marie-Luise Conen eindringlich, mit welchen inneren Stimmen viele Klienten kämpfen: „Du schafft es nicht. - Du wirst wie dein Vater, der hat in seinem Leben auch nichts gebracht.“ – „Aus dir wird nie `ne gute Mutter! Darauf geb` ich dir Brief und Siegel!“ 

Die bekennende Systemikerin Conen plädierte eindringlich dafür, nicht zu warten bis ein Klient am Boden ist und sich durch sein Verhalten vollkommen ausgegrenzt hat. Und so gelte es für Berater und Beraterinnen Abschied zu nehmen von der Vorstellung, dass Menschen immer nur freiwillig Hilfe in Anspruch nehmen. Das Bedürfnis nach Hilfe kann auch im Beratungskontext geweckt werden. Eine Schlüsselrolle nimmt für sie dabei der Versuch ein, dem Klienten den Blick für die Stärken der  eigenen Person, die eigenen Möglichkeiten und die verborgenen Veränderungswünsche zu öffnen.

Ohne Zweifel stehen professionelle Helfer und Helferinnen oftmals in einem Dilemma: Sie haben einem Arbeitsauftrag von institutioneller Seite zu folgen, und sie haben mit einem Klienten zu tun, der seine Ruhe haben will. Über den Umgang mit solchen widersprüchlichen Problemdefinitionen gibt nach Conen nur eine Lösung: „Machen Sie es gegenüber dem Klienten offen. Geben Sie ihm die Chance, mit Ihnen eine gemeinsame Problemdefinition auszuhandeln, damit er daran mitarbeiten kann, Sie wieder los zu werden.“

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